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Einblick in meine Sammlung mit Hof- und Straßenkapellen, sowie frei in der Landschaft stehende Kapellen.
Die Bilder stammen überwiegend aus dem Schwarzwald. In der Sammlung lassen sich mehr als 50 Kapellen finden.

Hofkapellen im Schwarzwald

Vor mehr als 250 Jahren war das Leben auf dem Land und ganz besonders in den verlassenen Gegenden des Schwarzwalds voller Entbehrungen. Harte Arbeit auf den Feldern und die Angst um die notwendigen Ernten waren alltäglich, dazu die Sorge um die Ernährung, wenn langanhaltende Winter die Vorräte schmälerten. Glaube, Gebet und die Abläufe im Kirchenjahr waren die notwendige Stütze in dieser Zeit und hatten ihre feste Bedeutung im Alltag der Bauern. Das Suchen nach helfenden und heilenden Kräften hat damals zum Bau vieler Hofkapellen geführt. So zum Beispiel die Kapelle am Schänzlehof, weit oben am Rohrhardsberg:

Hofkapellen sind aus dem glaubensstarken Leben der Menschen entstanden und wurden meist in eigener Arbeit erstellt. Der Ort der Stille und des Gebets war immer einem der Heiligen geweiht. Darum finden wir in den Hofkapellen Statuen und Bilder von besonderen Helfern, die man für Mensch und Tier, für das Haus, die Ernte oder das Wetter braucht. In den Türmchen verbarg sich eine Glocke, die zu vielen Anlässen geläutet wurde: Zum Gebet, zur Geburt eines Kindes oder bei Hochzeiten. Und auch sonst war die Glocke hilfreich, sie signalisierte manches Unglück auf den Höfen und bat durch Dauerläuten die Nachbarn um Hilfe.

Bild: Kapelle am Wehrlehof, Simonswald, Kostgfäll

Heute dienen unsere Hofkapellen immer noch dem stillen Gebet und der Andacht, oft kommen die Menschen der benachbarten Bauernhöfe dazu, um besondere Ereignisse
zu feiern. Älteren bietet die Kapelle eine Alternative für die Andacht, ohne den weiten Weg zur Kirche. Die ältesten Kapellen im Schwarzwald befanden sich an den Höfen der Hauptverbindungswege, so am Eingang des Höllentals, beim Gasthof Himmelreich. Nach alten Dokumenten hat die Jakobuskapelle schon 1590 vielen Durchziehenden Trost gegeben. Es wird vermutet, dass dort eine erste Kapelle bereits vor 1500 stand. 


 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund besonderer Ereignisse oder wegen einem Gelübde wurden Hofkapellen bis in die 1946er Jahre gegründet. So hat fast jede der heute noch bestehenden Hofkapellen seine eigene „Vergangenheit“ – mit bewegenden Geschichten, die manchmal auch „Sagenhaftes“ erzählen. 

Besondere Geschichten liegen zum Beispiel auch bei der Zahnwehkapelle bei Oberried oder der Kapellenhof-Kapelle im Föhrental zu Grunde.

Bild: Kapelle am Kapellenhof im Föhrental 

Die Namen einzelner Kapellen verheißen Spannung oder lassen uns erschauern: So etwa die Schlangenkapelle bei Stegen im Dreisamtal. Nach einer Sage soll es damals rund um den Henslehof und im Attental eine Schlangenplage gegeben haben. Weil man den Schlangen nicht Herr wurde versprach man, der Jungfrau Maria eine Kapelle zu bauen – und sogleich verschwanden alle Schlangen. Die Bauern waren dankbar und errichteten die Kapelle, in dessen Altar auch heute noch Maria mit dem Jesuskind abgebildet ist, die auf einer Erdkugel steht, um die sich eine Schlange windet. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fand hier zum Andenken eine Zeremonie zur Schlangenaustreibung statt. 



Bild: Türlekapelle, St.Peter, Rohr

Zudem gibt es so manches Kuriosum, wie sich bei der Marienkapelle am Hercherhof in Freiburg-Kappel zeigt. Die ehemaligen Bauern haben nämlich Mühle und Hofkapelle unter einem Dach errichtet. Das große Mühlrad ist auch heute noch zu sehen. 

Dass heute in der „Neuzeit“ noch Hofkapellen gebaut werden zeigt die Judas-Thaddäus-Kapelle auf dem Reitsattel bei Schollach, die 1997 eingeweiht wurde. Der Familie Hofmaier vom benachbarten Hof war es Anlass, um mit der Kapelle Dankbarkeit und Liebe für ihren verstorbenen Sohn auszudrücken. Der Ort, etwa 10 Minuten vom Hof entfernt, wurde gewählt um auch Fremden und Wanderern einen Platz zum Gebet zu bieten. Schöne Holzarbeiten und christliche Symbole zieren den Innenraum. Sieben Gnadenstrahlen gehen am Altar von der Heilig-Geist-Taube aus. Zwölf gedrechselte Ringe mit Feuerzungen, welche an Pfingsten erinnern zieren die Decke. Zur Verschönerung tragen die Heiligenfiguren bei, allen voran der Schutzpatron, Judas Thaddäus, dem Helfer in verzweifelten Lagen.

 

 

Bild: Judas-Thaddäus Kapelle


Wie der Hof werden die zugehörigen Kapellen an die jüngere Generation weitergegeben. Die Geschichten dazu nicht immer. So gehen oft Anlass oder das Jahr der Gründung solcher Kleinode verloren. Doch dies schmälert nicht die Verbundenheit der Besitzer zu ihren Hofkapellen: Viele Kapellen wurden in den letzten 20 Jahren mit viel Liebe zum Detail renoviert. Sie präsentieren sich heute mit ihren schönen geschnitzten Holzfiguren und reichhaltigen Wandmalereien in einem beachtenswerten Zustand.

So zum Beispiel die Kapelle am Adamshof in Waldkirch Suggental:


Oder die schöne Kapelle am Simonshof im Obersimonswald lohnen als Ausflugsziel.


Auch auf Reisen lohnt sich so mancher Abstecher. Gerade im benachbarten Allgäu lassen sich liebevoll geschmückte Kapellen finden.

So zum Beispiel die auf einem Bergrücken erbaute Kapelle von Hergensweiler. Wer dort oben steht genießt gleichzeitig einen herrlichen Blick in die Schweizer Alpen.

Viele Kapellen sind in privaten Händen. Meist gibt es im Innern ein "Spendenkässle" für den Erhalt dieser wunderbaren Kleinode. 
(c) Bild und Text: Wolfgang Speer

 

 

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